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Immer mehr Bürger gesundheitsbewusst

Bad Soden-Salmünster. Der Präsident des Deutschen Heilbäderverbandes, Professor Dr. Manfred Steinbach (Bonn), fürchtet nicht um die Zukunft der Gesundheit und des damit verbundenen Wirtschaftsfaktors. Beim Bädertag des Hessischen Heilbäderverbandes in Bad Soden-Salmünster erklärte Steinbach, immer mehr Bürger zeigten sich überaus gesundheitsbewusst. Gelegentlich gebe es bereits Auswüchse in Form „hysterischer Bemühungen, alles richtig zu machen, um dann mit dem Rechenschieber in die Küche zu gehen“. Gleichzeitig sei auf dem Gebiet der Prävention in den letzten zwei Jahren viel passiert. Steinbach: „Es hat sich ein immenser Markt entwickelt mit einer Spirale von Angeboten“.

Was können die Heilbäder und Kurorte dagegen setzen? Nach Ansicht des Präsidenten liegt ihre Chance in der Alleinstellung: Nicht das bieten, was alle haben, sondern die Angebote auf die lokalen und regionalen Gegebenheiten ausrichten. Das beginnt bereits mit dem speziellen Kurortcharakter, den es zu betonen gilt. Vorsicht bei dem Begriff „Wellness“, der häufig missbraucht wird, und ebenso beim Umgang mit Siegeln und Gütezeichen, die eine inflationäre Entwicklung erfahren. Die wirkliche Qualität bleibe dabei oft auf der Strecke.

Steinbach warnte davor, den Trend zum Kurz- oder Tagesurlaub eng mit dem Gedanken der Prävention zu verknüpfen. Viele Angebote seien nur „eine Karikatur der Prävention“ – Minimum sei ein Aufenthalt von einer Woche, möglichst mehr.

Auf Zielgruppen ausrichten

„Der Gesundheitstourismus ist eine gewerbliche Leistung, da werden Geschäfte gemacht“, betonte Klaus Reppel vom Institut Reppel + Partner in Karlsruhe-Durlach bei der Vorstellung seiner Untersuchung zur Gesundheitswirtschaft. Er kritisierte die nebulöse Definition des Begriffes „Medical Wellness“, unter dem sich der normale Bürger kaum etwas vorstellen könne, ebenso wie die Streichung der Bezeichnung „Kur“ durch die BfA. Nach Auffassung Reppels müssen bei der Produktentwicklung auf Zielgruppen ausgerichtete Inhalte im Vordergrund stehen. Dabei böten sich vor allem die Altersgruppen 35 bis 55 oder 55plus sowie Singles oder Frauen an. Heilbäder und Kurorte könnten die Menschen ein Leben lang begleiten, zunächst durch altersgerechte Reiseangebote, dann durch Heil- und Pflegeeinrichtungen, einen speziellen Wohn-Service und letztlich als Hospiz-Standorte.

Über Strategien zur Gästegewinnung sprach auch Ulrike Pilz-Kusch (Erkrath) als interdisziplinäre Wellness-Spezialistin und Beraterin. Drei Viertel der Bundesbürger haben nach einer Untersuchung des Instituts für Freizeitforschung München steigendes Interesse an Gesundheits- und Schönheitspflege, Anti-Aging und Softwellness. Die „angenehme Form der Gesundheitsvorsorge“ schlage sich in wachsenden Zahlen bei Tagestourismus und Kurzaufenthalten nieder. Viele Menschen seien zur „lustvollen Änderung ihrer Lebensgewohnheiten“ bereit.

Keine Billigangebote

Angesichts wachsender Ansprüche sei dieser Wettlauf aber nicht durch Billig-Angebote, sondern nur durch Qualität zu gewinnen. Gesundheitsurlauber wünschten eine wirksame Gegenwelt zu Leistungs-, Zeit- und Erfolgsdruck sowie Reizüberflutung und Anonymität. Gefragt sind passive Verwöhnangebote, aber auch Entspannung und wohltuende Bewegung, gesunde Ernährung, Natur- und Frischluft-Aktivitäten.

Um anstelle eines „Bauchladens“ ein stimmiges Angebot zu erstellen, müsse man sich zunächst auf die eigenen Qualitäten besinnen. „Welches sind die besonderen Schätze Ihres Ortes und Ihrer Region“, fragte die Expertin. Sie forderte zudem auf, Befindlichkeiten und Zufriedenheit der Gäste zu berücksichtigen. Dazu gehörten entsprechende Nachfragen, außerdem eine freundliche und informative Behandlung. Einer der Hauptpunkte für die Wahl des Urlaubsortes sei schließlich die Mund-zu-Mund-Propaganda, deshalb gelte es, die Gäste zu begeistern.

Wichtig sei außerdem die Optimierung des Internet-Auftrittes und des Prospekt-Materials. „Nicht zuviel Text, aber viele gute Fotos und die speziellen Angebote klar gegliedert“. Letztlich sei auch eine kluge Preispolitik, differenziert nach Auslastung, anzuraten.